Klickpedale vs. Flat Pedals: Die Glaubensfrage am Gravel Bike (Endgültig geklärt)

Gravel Pedale Klick Vs Flat
Gravel Pedale Klick Vs Flat

Von Max „GravelVibe“ Richter

Es gibt zwei Themen, bei denen Radfahrer sofort Messer ziehen: „Kette ölen vs. wachsen“ und „Klickies vs. Flats“.

Als ich mit dem Graveln anfing, hieß es: „Du MUSST Klickpedale fahren. Sonst bist du kein richtiger Radfahrer.“ Was für ein Bullshit.

Ja, die feste Verbindung zum Rad hat Vorteile. Aber wer schon mal an der Ampel in Zeitlupe umgefallen ist, weil er nicht aus dem Pedal kam (wir nennen das den „Umfaller der Schande“), der weiß: Flats haben ihre Daseinsberechtigung.

Heute klären wir ein für alle Mal: Was gehört an dein Gravel Bike?


Team Klickpedal (Clipless): Die Effizienz-Maschine

Lass uns kurz die Begriffe klären: „Clipless“ heißt paradoxerweise Klickpedal. Verwirrend, ist aber so (historisch bedingt).

Warum du sie lieben wirst:

  1. Der runde Tritt: Du drückst nicht nur, du ziehst auch. Am Berg ist das wie ein Turbo-Knopf.
  2. Sicherheit im Rüttel-Modus: Wenn du mit 40 km/h über einen Waschbrett-Feldweg bretterst, rutschen deine Füße nicht ab. Du bist eins mit der Maschine.
  3. Kostenloses Bunny-Hop-Tutorial: Über das Schlagloch springen? Einfach hochziehen. (Ja, das ist geschummelt, aber es funktioniert).

Der Haken:
Du brauchst spezielle Schuhe. Und wenn du mal absteigen musst, um dein Rad durch tiefen Matsch zu schieben, läufst du auf den Cleats (den Metallplatten) wie auf Eiern.

  • Der Standard: Shimano SPD (nicht SPD-SL, das ist für Rennräder!). Unzerstörbar, günstig, funktioniert immer.
  • Der Hipster-Tipp: Crankbrothers Eggbeater. Sehen aus wie ein Schneebesen, sind genial im Matsch, aber die Cleats nutzen sich schneller ab als deine Geduld beim Reifenwechsel.

Team Flat Pedal (Plattform): Freiheit für die Füße

Kommst du vom Mountainbike? Oder fährst du Gravel, weil du Abenteuer willst und keine Bestzeiten? Dann sind Flats dein Freund.

Warum du sie lieben wirst:

  1. Instant Bail-Out: In einer technischen Kurve rutscht das Vorderrad weg? Fuß raus, abgestützt, weiterfahren. Mit Klickies liegst du im Dreck.
  2. Schuh-Freiheit: Du kannst mit Vans fahren, mit Wanderschuhen oder (bitte nicht) mit Sandalen. Beim Bikepacking ist das Gold wert: Ein Paar Schuhe für alles.
  3. Echte Technik: Du lernst, das Rad richtig zu kontrollieren, ohne am Lenker zu reißen.

Der Haken:
Deine Schienbeine werden leiden. Gute Flat Pedals haben scharfe Metall-Pins für den Grip. Wenn du abrutschst, sieht dein Schienbein aus wie nach einer Begegnung mit einer Käsereibe.

  • Meine Empfehlung: Race Face Chester (Kunststoff, günstig, unkaputtbar) oder Crankbrothers Stamp 7 (Edel, flach, teuer).

Die Hybrid-Lösung: Nichts Halbes und nichts Ganzes?

Es gibt Pedale, die auf einer Seite Klick und auf der anderen Plattform haben (z.B. Shimano PD-EH500).
Klingt schlau, nervt aber in der Praxis oft. Warum? Weil IMMER die falsche Seite oben ist, wenn du losfahren willst. Du bist nur am Suchen und Drehen.
Mein Rat: Entscheide dich. Sei konsequent.

Max’s Urteil für 2026

Hier ist die harte Wahrheit:

  • Fährst du Rennen oder schnelle Gruppen-Ausfahrten? Nimm Klickpedale. Die Effizienz ist einfach besser.
  • Fährst du technische Singletrails, Bikepacking-Trips oder pendelst zur Arbeit? Nimm Flat Pedals. Die Freiheit und Sicherheit wiegen den minimalen Kraftverlust auf.

Ich persönlich? Ich fahre 90% der Zeit Klickpedale (Shimano XTR), weil ich das „Eingeloggt-Sein“ liebe. Aber für den winterlichen Matsch-Spaß schraube ich Flats drauf. Man darf nämlich beides haben. Verrückt, oder?


FAQ: Klickpedale vs. Flat Pedals

Brauche ich für Klickpedale spezielle Schuhe?

Ja, zwingend. Für Gravel Bikes brauchst du Schuhe mit der 2-Loch-Aufnahme (SPD-Standard). Im Gegensatz zu Rennradschuhen ist die Metallplatte (Cleat) hier in der Sohle versenkt, sodass du noch halbwegs normal laufen kannst.

Sind Flat Pedals langsamer als Klickpedale?

Jein. Studien zeigen, dass bei „normaler“ Fahrt kaum ein Unterschied in der reinen Watt-Leistung besteht. Der Vorteil von Klickpedalen kommt erst bei Sprints oder sehr steilen Anstiegen (durch das „Ziehen“) sowie bei hoher Trittfrequenz wirklich zum Tragen. Für den Durchschnittsfahrer ist der Unterschied marginal.

Welches Pedal ist besser für Anfänger?

Ganz klar: Flat Pedals. Als Anfänger hast du genug damit zu tun, Schaltung, Bremsen und den Untergrund zu koordinieren. Die Angst, nicht aus dem Pedal zu kommen, blockiert dich nur. Lern die Technik auf Flats, und steig später um, wenn du dich sicher fühlst.

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